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Norbert FleischerJournalismus · Medienproduktion · Public Relations
Krieg und Frieden · Naher Osten

Der nächste Iran-Krieg hat einen Termin: nach dem 3. November

Norbert Fleischer · 28.10.2026 · 4 Min. Lesezeit

Washington hat mehrere Golfstaaten gewarnt, sich auf eine „kurze, intensive Militärkampagne nach den US-Zwischenwahlen“ einzustellen. Das berichtet das Wall Street Journal am 28. Oktober unter der Überschrift „USA warnen Golfstaaten vor möglicher kurzer, intensiver Wiederaufnahme des Iran-Kriegs nach den Zwischenwahlen“ (frei zugänglich über die griechische Partnerzeitung To Vima). Die Zwischenwahlen in den USA sind am 3. November. Nach dem Bericht neigt Präsident Trump zu einem großen Angriff nach der Wahl. Das US-Militär habe Soldaten von gefährdeten Stützpunkten abgezogen, mache Bomber und Jäger bereit, fülle die Munition auf und verlege eine weitere Patriot-Batterie aus Texas nach Israel. Israel habe „Pläne und Ziele für einen neuen Angriff“ vorbereitet. Das Weiße Haus sprach von „sensiblen Militärplänen, die es geben mag oder auch nicht“, ein Dementi ist das nicht.

Archivbild aus 2019 · Amirpashaei · „Tehran in a clean day“ (Wikimedia Commons) · CC BY-SA 4.0 · Ausschnitt

Nach dem US-Portal Axios geht es um eine Woche massiver Schläge auf Ziele der Führung, der Energieversorgung, des Atomprogramms und der Infrastruktur. Gleichzeitig hat Vizepräsident JD Vance einen Brief an Mohsen Rezaei geschrieben, den Sekretär des iranischen Obersten Nationalen Sicherheitsrats und früheren Kommandeur der Revolutionsgarden. Katar hat ihn übergeben. Nach Al Jazeera sollte er ausloten, ob es genug Gemeinsamkeiten gibt, „um Trump davon abzubringen, den endgültigen Befehl zu geben“. Teheran hat den Eingang bestätigt, aber noch nicht geantwortet; katarische Diplomaten sind seit dem 30. Oktober wieder in Teheran.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte in der Nacht nach der Knesset-Wahl vom 27. Oktober in der Likud-Zentrale, es sei „noch nicht vorbei“, und es liege in Israels Macht, „gemeinsam mit unserem wunderbaren Freund Präsident Trump diese Bedrohung ein für alle Mal zu beseitigen“ (Times of Israel). Der frühere israelische Ministerpräsident Ehud Olmert sagte im heute journal: „Alles ist möglich. Dieses Paar aus Trump und Netanjahu kann viele Dinge machen, die nicht Sinn ergeben und unerwartet sind.“

Aus „könnte“ wird ein Kalender

Der Ton wird schärfer, die Fristen werden kürzer. Am 28. Februar 2026 griffen die USA und Israel den Iran an, Revolutionsführer Chamenei wurde getötet (PBS). Die Gespräche in Islamabad scheiterten am 12. April nach 21 Stunden (The National), seit dem 14. Juli blockieren die USA erneut die iranischen Häfen. Ende September hieß es noch, nach den Wahlen „könnte“ es zu neuen Angriffen kommen. Jetzt werden die Golfstaaten gewarnt, Raketenabwehr verlegt und Ziele vorbereitet. Ein dritter Flugzeugträger, die „Theodore Roosevelt“, ist auf dem Weg und soll bis Ende November ankommen.

Den Wahlkalender als Kriegskalender gab es schon einmal. Am 21. August 2012 fragte der kanadische Ökonom Michel Chossudovsky auf Global Research nach „Israels Kriegspläne, den Iran ‚vor den US-Wahlen‘ anzugreifen“. Am 7. Juli 2008 schrieb der amerikanisch-kanadische Journalist Eric Margolis auf LewRockwell.com, „Hochrangige israelische Amtsträger drohen offen damit, die iranischen Atomanlagen anzugreifen“, noch vor dem Ende der Amtszeit von George W. Bush. Diese Warnungen waren nicht falsch. Sie kamen nur zu früh.

YouNost hat den Krieg dieses Jahres begleitet, jeweils mit dem Filmemacher und Chefredakteur von Berlin247, Wilhelm Domke-Schulz: in YOUNOST 131 (8. April) über den brüchigen Waffenstillstand, in YOUNOST 132 (22. April) über die abgesagte zweite Verhandlungsrunde und in YOUNOST 141 (16. Juli) über die Eskalation in der Straße von Hormus.

Und Ramstein?

Für Deutschland stellt sich eine Frage zuerst: Welche Rolle spielt die Ramstein Air Base? Dass dort eine Relaisstation für Signale auch der US-Armee steht, bestätigte das Auswärtige Amt in der Regierungspressekonferenz vom 13. Juli 2020. Dass bei der Tötung des iranischen Generals Soleimani im Januar 2020 die Verbindung über diese Station lief, haben Abgeordnete der Linken in einer Strafanzeige beim Generalbundesanwalt geltend gemacht; amtlich bestätigt ist es nicht. Im Parlament hätte man das fragen müssen: Laufen Verlegung, Nachschub und Datenverbindungen für einen neuen Angriff wieder über deutsche Stützpunkte? Hat die Bundesregierung das geprüft? Bundeskanzler Merz sagte am 30. Oktober nur, der Konflikt lasse sich „nicht militärisch lösen“ (heute). Und die Rechnung kommt ohnehin: über den Gaspreis, der seit Beginn des Iran-Kriegs explodiert ist.

Zwang oder Krieg?

Der Chicagoer Politikwissenschaftler John Mearsheimer deutete die Drohung am 28. Oktober in Glenn Diesens Gesprächsreihe zunächst als Erpressung: Trump verlege viel Militär in die Region, um der Drohung Glaubwürdigkeit zu geben, „er versucht, die Iraner zu zwingen“. Kommt es zum Schlag, sei klar, was getroffen wird: Atomanlagen und Infrastruktur, „und manchmal setzen sie das Wort Energie vor Infrastruktur“.

Der pensionierte US-Oberst Douglas Macgregor sagte am 27. Oktober bei Diesen, er halte den fortgesetzten Krieg mit dem Iran tragischerweise für unvermeidlich: „Er wäre vermeidbar, aber wir wollen ihn, also führen wir ihn.“ Der Friedensforscher Jonas Tögel beschrieb am 28. Oktober im Gespräch mit Jens Lehrich das Feindbild, das solche Kriege möglich macht: „im Iran da gibt es die bösen Mullahs und drum darf man die bombardieren während wir ja hier die Demokratie haben“.

Der Iraner Seyed Mohammad Marandi, Professor an der Universität Teheran und früher Berater des iranischen Atomverhandlungsteams, warnte schon am 25. Oktober bei Diesen vor einem unmittelbar bevorstehenden Angriff, die Golfstaaten würden ihn nicht überstehen.

Wer sich nur über die Hauptnachrichten informiert, weiß davon nichts. Weder die Warnung an die Golfstaaten noch der Brief von Vance kamen in Tagesschau, Tagesthemen, heute oder heute journal vor. Erst am 30. Oktober hieß es in heute beiläufig, „nicht nur die deutsche Delegation“ rechne damit, dass die USA nach den Zwischenwahlen „Entscheidungen suchen werden“.

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